Wie es überhaupt dazu kam...


Angefangen hatte es vor vielen Jahren. Vor sehr vielen Jahren, um genau zu sein. Zu dritt sassen wir, zwei Schul-Freunde und ich, in unserer Stube vor dem alten Telefunken-Fernseher und zogen uns einen Dokumentarfilm rein. Titel: „Die Traumstrasse der Welt" .

Mit offenen Mündern hockten wir vor dem Bildschirm und liessen uns von den Bildern ferner Länder faszinieren. Die Tatsache, dass wir von den meisten noch nie etwas gehört hatten, störte uns nicht gross, im Gegenteil: irgendwie war das Teil dieser Faszination. Und auch der Umstand, dass die Bilder in schwarz-weiss über den Schirm flimmerten (woran man sieht, dass es wirklich sehr sehr lange her ist) tat unserer Freude keinen Abbruch. Auf jeden Fall war uns nach dem Ende des Films sofort klar: Das ist es! Genau sowas machen wir auch. Am besten jetzt und gleich und sofort.

Grössere Probleme sahen wir eigentlich keine. Schliesslich verfügten wir ja allesamt über einschlägige Pfadi-Erfahrung: Ueberleben im Urwald (Servelat-Bräteln im Brunngraben), Ueberquerung reissender Flüsse (das Wasser im Stadtbach kam uns immerhin bis knapp zu den Waden), Biwakieren in abgelegenen gefährlichen Gebieten (meistens im Garten hinter dem Haus, damit man beim Einnachten sicherheitshalber wieder ins richtige Bett schlüpfen konnte) usw. usf. Selbst ein Fahrzeug hatten wir bereits: eine Offroad-Seifenkiste mit VW-Lenkrad, Taschenlampen-Beleuchtung und integriertem Dampfkochtopf... . Von uns aus hätte es also sofort losgehen können... .

Leider hatten wir vor lauter Euphorie einen wichtigen Punkt nicht in unsere Ueberlegungen miteinbezogen: unsere Eltern. Diese wollten nämlich partout nicht einsehen, dass sich Welt-Eroberung und Primarschule nicht vereinbaren lassen. Und dass, als logische Konsequenz, unsere Schulzeit umgehend hätte beendet werden müssen! Nur: wie soll man Leuten, die einen jeden Abend um acht Uhr ins Bett schicken, klarmachen, dass das ultimative Abenteuer auf einen wartete? Und dass die Zeit nicht mit Rechnen und Schreiben oder anderen Nebensächlichkeiten vergeudet werden sollte?

Aber: es war nichts zu machen. Schicksal nennt man sowas wohl. So wurde also unsere Aufbruchstimmung quasi im Keime erstickt und unsere Abenteuerreisen reduzierten sich fortan auf die Erkundung der lokalen Abfallgrube im Wald und gelegentliche Ausflüge an den Sempachersee. Mit anderen Worten: Servelat statt Tortillas, Säli-Schlössli statt Macchu Picchu, Trottenweiher statt Karibikstrand, Tüfelsschlucht statt Grand Canyon, Bschütti-Geruch statt dem Duft der grossen weiten Welt.

Doch trotz aller Widerwärtigkeiten: etwas hatte sich - tief drin - über all die Jahre konserviert: der Wunsch, die „grosse Reise“ irgendwann mal in die Tat umzusetzen.

Im Frühjahr 2002 war es dann soweit. Die Realisation des "Traums von der Traumstrasse" konnte beginnen.

Ach übrigens: der Beifahrersitz in meinem "Buddy" ist frei. Hätten Sie Lust, die eine oder andere Etappe mitzufahren? - Okay - nehmen Sie Platz, es geht los!